FlirtFantasies: Wie alles begann...
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FlirtFantasies: Wie alles begann…

Netzfund

Mit quietschenden Reifen fuhr Amanda in die Parklücke und ließ sich ins Polster zurück sinken. „Gerade noch geschafft“, seufzte sie und stieg energisch aus dem Wagen. Sie hasste nichts mehr, als wenn sie zu spät zur Uni kam. Ihre Kommilitonen hielten es anders, viele von ihnen kamen überhaupt nicht oder erst wenn die Vorlesung schon angefangen hatte.

Amanda hingegen war ein Vorbild an Pünktlichkeit und Genauigkeit, sie liebte strenge Regeln und hielt sich ohne Probleme daran. Als sie schnellen Schrittes zum Hörsaal lief, fielen ihr die braunen Locken immer wieder ins Gesicht und sie schob sie mit einer geübten Handbewegung hinters Ohr. Normalerweise vergaß sie nie ihre Haare zu bändigen, innerlich schimpfte sie mit sich selbst, dass sie nicht an ein Haarband gedacht hatte.

»Amanda hingegen war ein Vorbild an Pünktlichkeit und Genauigkeit, sie liebte strenge Regeln und hielt sich ohne Probleme daran.«

„Ich werde alt“ murmelte die 19-jährige und lachte gleich darauf über ihren eigenen Witz. Als sie den Hörsaal erreicht hatte und sich auf ihren Platz sinken ließ, war sie fünf Minuten zu früh dran und hatte ausreichend Zeit, sich auf die kommende Vorlesung vorzubereiten. „Psychologisches Marketing“ lautete das Thema, ein interessanter Ansatz für Amanda, die auf den Gastprofessor gespannt war, der sich von einer anderen Universität angekündigt hatte. „Guten Morgen“, seufzte ihre Freundin Katja, die sich neben ihr auf den Stuhl fallen ließ und erst einmal für Chaos auf ihrem kleinen Tisch sorgte. „Du bist ja heute mal pünktlich, was ist los mit Dir“, fragte Amanda schmunzelnd und erntete einen Knuff von ihrer Kommilitonin.

Amanda war das dritte Semester an der Uni und hatte nie Probleme damit gehabt, sich anderen Menschen anzuschließen. Obwohl sie Männern gegenüber schüchtern war, ging sie ohne Probleme auf ihre Mitstudenten zu, half wenn es etwas zu helfen gab und war offen und fröhlich. Sie war bei Studenten und Studentinnen gleichermaßen beliebt und auch bei ihren Tutoren war die dunkelhaarige, junge Frau gerne gesehen. Obwohl Amanda schon oft die Gelegenheit gehabt hätte, mit einem ihrer Mitstudenten auszugehen oder einen jungen Mann aus ihrer Umgebung kennenzulernen, hatte sie bislang erst ein flüchtiges Abenteuer erlebt, was ihr nicht besonders gut in Erinnerung geblieben war.

Sie fand einige Männer in ihrem Freundeskreis attraktiv, aber immer fehlte ihr irgendetwas, was sie als Anziehungskraft hätte bezeichnen können. Da Amanda grundsätzlich keine Alternativen mochte und nach dem Motto ganz oder gar nicht lebte, verzichtete sie lieber auf ihre Erfahrungen und wartete darauf, bis eines Tage Mr. Right vor ihr stehen würde. Bis dahin verbrachte sie viel Zeit mit ihren Freundinnen, lernte fleißig für die Uni und besuchte zwei mal pro Woche ihre über alles geliebten Eltern, die stolz auf ihre einzige Tochter waren.

„Guten Morgen meine Damen und Herren“, schallte die tiefe Stimme des Gastprofessors durch den Saal, der völlig unbemerkt eingetreten und sich zum Tutorenpult vorgearbeitet hatte. Amanda`s Kopf schnellte hoch und sie betrachtete den Mann eingehend. „Der ist aber jung“, flüsterte sie ihrer Nachbarin zu und spürte sofort die Augen des Mannes auf ihr. „Haben Sie eine Frage junge Frau“, ließ er auch schon vernehmen und sah sie auffordernd an. „Nein, danke, es ist alles gut, danke vielmals“ stammelte sie und ärgerte sich über die feine Röte, die ihr Gesicht überzog. Sie hasste es im Mittelpunkt zu stehen und automatisch waren die Augen ihrer Kommilitonen im Moment auf sie gerichtet.

Der Professor lächelte und wandte sich wieder seinem Tisch zu. Verstohlen blickte Amanda ihm nach. Er war höchstens 35, hatte dunkle, gut frisierte Haare und eine gute Statur. Sein Gesicht strahlte eine enorme Portion Selbstvertrauen aus, es schien ihm nichts auszumachen, sich vor einer Menge Studenten Gehör zu verschaffen und sein Fach zu unterrichten. Amanda nahm sich vor, besonders gut aufzupassen, denn sie wollte nicht noch einmal in eine peinliche Situation kommen. Der Professor stellte sich als Dr. Marc Mensiak vor, Dozent an einer Universität der Nachbarstadt und einzig zu dem Zweck angereist, den Studenten die Marktwirtschaft und ihre psychologischen Tricks näher zu bringen.

»Er war höchstens 35, hatte dunkle, gut frisierte Haare und eine gute Statur.«

Der Unterricht verlief äußerst spannend, Dr. Mensiak verstand es, anhand von bebilderten Beispielen die Neugier der jungen Leute zu wecken und auch Amanda saß aufrecht in ihrem Stuhl und lauschte den selbstbewussten Worten des Mannes. Immer wieder musterte sie ihn verstohlen, sie hatte noch nie einen solch attraktiven Dozenten erlebt, all ihre Professoren waren weit über 50 und trugen Pullunder, so wie ihr Vater. „Um Artikel erfolgreich zu verkaufen, müssen wir also die Psyche der Käufer durchdringen“, erklärte der Professor gerade, als Amanda von ihrem Stuhl hochfuhr. „Das ist aber doch Betrug, das ist gezieltes Ausnutzen der Schwächen, zum eigenen Vorteil“, protestierte sie und wurde im nächsten Augenblick rot.

Dr. Mensiak kam näher und schaute sie interessiert an. „Verraten Sie mir Ihren Namen“, fragte er freundlich und Amanda stellte sich vor.

„Amanda, ich darf sie doch so nennen“, sagte der gut aussehende Mann und sie nickte. „Wie würden Sie denn ein Produkt vermarkten, es nachhaltig in den Köpfen der Verbraucher verankern?“ fragte er sie und sah ihr dabei direkt in die Augen. Ihr wurde ein wenig warm im Gesicht, doch sie antwortete mit fester Stimme: „Ganz einfach, indem ich ein Produkt präsentiere, was unverzichtbar ist. Meine Kunden sollen meine Ware kaufen, weil sie sie brauchen und ohne sie nicht zurecht kommen, nicht weil ich sie manipuliere“. Zustimmendes Gemurmel aus dem Hörsaal war zu vernehmen. „Sie sind eine Idealistin, nehme ich an“, fragte er sie neckend und sie nickte.

„Nun, ich bewundere Sie für Ihren Idealismus Fräulein Amanda, doch in der heutigen Gesellschaft ist psychologische Manipulation Gang und Gäbe. Das bezieht sich im übrigen nicht nur auf die Marktwirtschaft“, gab er zur Antwort und wandte sich wieder seinem Pult zu. „Für heute sind wir fertig“, gab er den Studenten zu verstehen, „ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und die netten Gespräche“ sagte er und dann verließ er ohne weiteres Aufsehen den Saal.

„Was meinte er denn damit, dass wir für heute fertig sind“, wandte sich Amanda an ihre Nachbarin und war wie elektrisiert als diese Antwortete, dass der Professor noch dreimal wiederkehren würde. Auf dem Nachhauseweg vergaß sie die Vorkommnisse des Tages und setzte sich mit der Frage auseinander, was sie zu Abend essen würde. Gerade als sie beschlossen hatte, sich im Supermarkt inspirieren zu lassen, klingelte ihr Handy und Katja rief an.

„Süße, hast Du nicht Lust, heute Abend mit mir zu dem neuen Italiener zu fahren“, fragte sie und Amanda stimmte begeistert zu. „Du rettest mir den Tag, Du weißt wie sehr ich Supermärkte hasse und ich war gerade auf dem Weg dorthin“, gab sie lachend zurück. Die zwei Frauen verabredeten sich für 19 Uhr und Amanda fuhr gut gelaunt nach Hause. Sie ließ sich ein Bad ein, um sich vor dem Frauenabend, bei dem erfahrungsgemäß die ein oder andere Flasche Wein geleert würde, noch ein wenig zu entspannen. Als der Schaum ihren Körper locker umspielte, wanderten ihre Gedanken nochmal zu Professor Mensiak und sie fühlte gegen ihren Willen eine leichte Unruhe im Bauch. „Nichts weiter als ein blöder Dozent“, sagte sie laut und griff nach dem Shampoo, um ihre langen Locken zu waschen. Das warme Wasser tat ihr gut, sie schloss ihre Augen und genoss das Kribbeln auf der Kopfhaut, als sie sanft ihr Shampoo einmassierte. Eine Stunde später lag sie gemütlich auf ihrem Sofa, es waren noch mehr als drei Stunden Zeit bis zu ihrer Verabredung und sie beschloss noch ein wenig für die Uni zu lernen.

Wie immer war Amanda vor ihrer Freundin am Restaurant, sie war nun einmal überpünktlich und das galt nicht nur für die Uni, sondern auch im Privatleben. Sie suchte sich einen hübschen Tisch aus, bestellte eine Flasche Rotwein und vertrieb sich die Zeit mit ihrem Handy, während sie auf Katja wartete. Mit zehnminütiger Verspätung eilte die Freundin an den Tisch und die beiden Frauen waren schnell in ein intensives Gespräch vertieft. „Wie fandest Du ihn eigentlich?“, wollte Katja von ihrer Freundin wissen, die sie irritiert ansah. „Wie fand ich wen“, erwiderte sie fragend und Katja grinste. „Marc Mensiak natürlich“, gab die Freundin zurück und Amanda konnte es nicht verhindern, dass eine feine Röte über ihr Gesicht kam. „Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, wie ich ihn finde, er ist ein Tutor, mehr nicht“, sagte sie etwas zu schnell und sie registrierte das Grinsen ihrer besten Freundin.

Amanda…lieb, nett und für immer Single? Wohl kaum…

„Ich hatte den Eindruck, dass er Dir zu schaffen gemacht hat“, gab Katja offen zu, doch ihr Gegenüber schüttelte den Kopf. „Mir gefiel nicht, was er zu erzählen hatte, wie er aussah oder sonstige Details von ihm habe ich nicht beachtet“, schimpfte sie leise. Das Gespräch wurde unterbrochen, weil der Kellner die bestellte Pasta brachte und Amanda dankte ihm innerlich aus tiefstem Herzen. Sie selbst hatte sich verboten über Mensiak nachzudenken, weil sie sich selbst nicht erklären konnte, warum er sie so verwirrt hatte. In Wahrheit hatte sie mehr auf sein Aussehen, seine Bewegungen und seine Ausstrahlung geachtet, als auf seinen Lehrstoff.

„Du brauchst auf jeden Fall dringend einen Freund“, drang die Stimme ihrer Freundin an ihr Ohr und sie protestierte. „Nein danke, ich habe derzeit keinerlei Bedarf an soetwas“, gab sie fest zurück.

Ihre Gedanken schweiften zu Tim, dem ersten Mann, den sie näher an sich herangelassen hatte. Damals war sie 16 und er war zwei Jahre älter und besuchte das gleiche Gymnasium. Es hatte ihr geschmeichelt, als er sie auf eine Party eingeladen hatte und sie hatte die Einladung nach einigem Zögern angenommen. Sie hatte gedacht, dass er sie offiziell als seine Freundin vorstellen würde und hatte sich für diesen Abend besonders hübsch gemacht. Doch es war anders gekommen, sie waren nicht auf eine Party, sondern zu ihm nach Hause gefahren und er hatte seine Absichten ziemlich schnell deutlich gemacht.

Mit Komplimenten über ihr Aussehen und Liebesschwüren hatte er sie dazu gebracht, ihn nah an sich ranzulassen, doch im letzten Moment hatte sie das Liebesspiel abgebrochen. Es hatte sich falsch angefühlt und Tim war zwar hübsch, aber nicht der Mann, mit dem sie ihr erstes Mal erleben wollte. Sie war Hals über Kopf aus seiner Wohnung geflüchtet und in die Nacht hinaus gelaufen. Am nächsten Tag in der Schule hatte er sie nicht mehr beachtet und die kurze Liäson war vorüber.

Seitdem war bei Amanda außer ein paar harmlosen Flirts nichts mehr gelaufen und sie gestand sich nur selten ein, dass sie einen Mann an ihrer Seite vermisste.

Keiner ihrer Kommilitonen wäre für sie in Frage gekommen, sie waren jung, liebten das Studentenleben und waren oftmals furchtbar albern. Amanda träumte von einem Mann der mitten im Leben stand, der wusste was er wollte und der sie an die Hand nehmen und durchs Leben führen würde. „Ein Mann wie Marc wäre genau nach meinem Geschmack“, dachte sie und fuhr im gleichen Moment erschrocken zusammen. „Wie kannst Du sowas denken“, schalt sie sich selbst und wandte sich Katja zu, die mit ihrer Pasta beschäftigt war.

„Was macht die Liebe bei Dir“, wollte sie von ihrer Freundin wissen, doch die winkte ab.

»“Was macht die Liebe bei Dir“, wollte sie von ihrer Freundin wissen, doch die winkte ab.«

„Du weißt doch Amanda, was kommt das kommt, bei mir kommt im Moment nichts“, antwortete sie und die beiden Frauen lachten.

Die Pasta schmeckte vorzüglich, das Restaurant war toll und Amanda fühlte sich wohl bei ihrer besten Freundin und so ließ sie die Gedanken an Marc Mensiak langsam in den Hintergrund wandern. Als die beiden Frauen gerade ihr Dessert bestellt hatten und in ein Gespräch über Musik vertieft waren, glitt Amanda`s Blick zur Tür und sie erstarrte. „Hast Du ein Gespenst gesehen“, wollte Katja auch sofort wissen, doch ihre Freundin antwortete nicht. Sie drehte sich selbst um und sah selbst, was Amanda so sehr erschreckt hatte. Niemand geringeres als Marc Mensiak hatte das Restaurant betreten. Automatisch scannte Katja`s Blick die Umgebung, doch eine weibliche Begleitung konnte sie nirgendwo ausmachen. „Lass uns gehen“, bat Amanda flüsternd, doch der Professor hatte die beiden schon entdeckt. Mit einem fröhlichen Winken kam er mit eleganten Schritten an den Tisch.

„Das idealistische Fräulein Amanda“, begrüßte er sie spöttisch und wandte sich dann mit einem freundlichen Kopfnicken Katja zu. „Hallo Professor“, sagte Amanda kühl und beachtete ihn nicht weiter, Katja hingegen begann sofort zu plaudern. „Professor Mensiak, wie schön“, flötete sie, „möchten Sie uns nicht Gesellschaft leisten“. Amanda versuchte ihr Schienbein unter dem Tisch zu treten, traf jedoch nicht. Marc Mensiak blickte sie noch einmal mit seinen spöttischen Augen an und wandte sich dann wieder Katja zu: „Danke für die reizende Einladung, aber ich muss sie ablehnen. Ich pflege mein Dinner allein zu mir zu nehmen, mein Tisch ist bereits reserviert“. Mit dieser Ablehnung hatte keine der beiden Frauen gerechnet und so wünschte Katja ihm verwirrt einen guten Appetit und sah ihm nach, als der auf seinen eigenen Tisch zusteuerte.

„So ein Blödmann“, maulte sie leise, als er Platz genommen und den Ober um die Karte gebeten hatte. Amanda hatte bislang nichts gesagt, doch nun zischte sie ihrer Freundin zu: „Du bist genauso blöd, denkst Du ich wollte diesen Lackaffen am Tisch sitzen haben? Ich bin mit Dir unterwegs, von Professoren habe ich an der Uni genug“. Katja sah sie überrascht an, solche harschen Worte war sie von der fröhlichen Amanda nicht gewohnt. Sie legte die Stirn in Falten und fragte: „Amanda-Schatz, kann es sein, dass Du gerade genau das Gegenteil von dem sagst, was Du eigentlich denkst“? Die Freundin ballte die Fäuste und giftete: „Nein und wenn Du noch weiter solche Behauptungen aufstellst, stehe ich auf der Stelle auf und verlasse das Restaurant“.

Katja wehrte ab: „Schon gut, schon gut, das fehlt gerade noch, dass wir uns wegen eines Professors den Mädelsabend verderben lassen“. Versöhnlich nickte ihre Freundin und sah zum Kellner auf, der endlich den erwünschten Nachtisch brachte. Das Eis schmeckte köstlich und die beiden Frauen vertieften sich wieder in ihr Gespräch, ohne Marc Mensiak noch eines Gedankens zu würdigen. Der attraktive Professor hingegen warf mehr als einen Blick auf Amanda und ihre Freundin, wobei erstere eindeutig seine Aufmerksamkeit erregte.

„Sie ist wild und ungezähmt, aber trotzdem wirkt sie scheu wie ein Reh“, dachte er und musste lächeln, als er an ihren Ausbruch im Unterricht dachte. Er mochte Menschen mit Idealen, auch wenn diese unrealistisch waren oder außerhalb der Norm lagen. Amanda`s Hitzkopf gefiel ihm, wenngleich er auch das Bedürfnis hatte, sie zu zähmen und ihr beizubringen, die Welt von der realistischen Seite zu sehen.

Als die Frauen aufstanden und das Restaurant verließen, spürte Marc einen Stich der Enttäuschung, was ihn zu einem Stirnrunzeln veranlasste. „Sie ist doch nur eine dumme Schülerin“, dachte er bei sich, doch aus dem Kopf ging sie ihm trotzdem nicht. Er hatte eine steile Karriere hingelegt, nachdem er das Lehramtsstudium beendet hatte, begann er sofort mit seiner Doktorarbeit und dank seiner guten Kontakte wurde ihm der Professorentitel schon im Alter von 32 Jahren zuerkannt.

Landesweit war er der jüngste Professor, seine Kollegen waren 40 Jahre und älter, als sie ihre Habilitation begannen. Mensiak war schon zu Schulzeiten außerordentlich ehrgeizig gewesen, während seine Freunde sich mit Mädchen und Fußball beschäftigten, lernte er sorgfältig und beobachtete viel. Er konnte stundenlang am Straßenrand sitzen und die Menschen betrachten, er analysierte ihr Verhalten, ihre Reaktionen auf bestimmte Lebensumstände und begann schon bald selbst Experimente durchzuführen. Immer wieder lancierte er Gerüchte, brachte Schüler in peinliche Situationen und beobachtete ihr Verhalten.

Aus all diesen Situationen lernte Dr. Mensiak und wenn ihm nicht das nötige Mitgefühl gefehlt hätte, wäre Psychologie sein bevorzugtes Studienfach gewesen. Er drang mühelos in die Psyche anderer Menschen ein, erkannte ihre innersten Geheimnisse und könnte ein wunderbarer Helfer in allen Notsituationen sein. Doch nicht immer wollte er helfen, manchmal machte es ihm viel mehr Spaß, sein Gegenüber zu analysieren und seine Macht auszuspielen. Er liebte bedingungslose Ergebenheit, schon aus diesen Gründen hielt er sich für völlig ungeeignet, den Beruf des Psychologen zu erlernen. Marc Mensiak sah sich selbst nicht als schlechten Menschen, er hatte nur früh in seinem Leben gelernt, dass er auf sich selbst angewiesen war.

Seine Mutter war eine liebevolle, aber wenig intelligente Frau, sie konnte ihm nichts beibringen und der von Wissensdurst geplagte Marc, dozierte vor ihr schon im zarten Alter von neun Jahren. Seinen Vater hatte er nie kennengelernt, er war geflüchtet, noch bevor seine Mutter ihn geboren hatte.

Er war 14, als ein Mitschüler zu ihm sagte, dass sein Vater sicher abgehauen sei, weil er, Marc, ein so schrecklicher Kotzbrocken sei. Die anschließende Prügelei, bei der Mensiak als Sieger hervorging, brachte ihm mehrere Besuche beim Schulpsychologen ein. Für Marc waren diese Termine eine willkommen Abwechslung, er führte den erfahrenen Arzt an der Nase herum, erzählte ihm erfundene Geschichten von Alpträumen und nächtlichen Zwängen und weckte sehr schnell das Mitgefühl seines Gegenübers. Als die Therapiesitzungen beendet waren, bescheinigte der Psychologe Marc, dass er ein sensibler und einfühlsamer Schüler sei, von dem keine Gewaltgefahr ausging. Von diesem Tag an hatte Mensiak Narrenfreiheit in der Schule und wann immer ein Lehrer unsicher bei der Zensurenverteilung war, entschied er sich zu Marc`s Gunsten, schließlich hatte der Junge schon viel schweres im Leben durchmachen müssen.

Auch Prügeleien, an denen Mensiak gelegentlich beteiligt waren, gingen grundsätzlich auf das Konto der anderen Schüler. Marc war sich seiner Sonderrolle durchaus bewusst und verstand es perfekt, diese Vorzüge auszunutzen und sich zum bedauerten Liebling aller Lehrer zu avancieren. Es war kein Wunder, dass er sein Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,2 abschloss. Heute noch amüsierte er sich über die mündliche Abschlussprüfung. Er hatte mehrere Wissenslücken im Fach Physik, doch mit einer eindrucksvolle Rede und vielen, leeren Worthülsen schaffte er es, seine Prüfer milde zu stimmen und die Bestnote zu ergattern.

„Amanda“, flüsterte er leise und fuhr mit dem Finger über das weiße Tischtuch. Sofort begab sich der Kellner zu ihm und fragte nach weiteren Wünschen. „Mh?“, machte Marc missmutig und sah ihn einen Moment lang verwirrt an. „Ja, ja, bringen Sie mir bitte noch einen Cappuchino“, sagte er dann und versank wieder in seiner Gedankenwelt.

Frauen waren ein Thema für Marc, welchem er sich nie auf der Gefühlsebene näherte. Alle Frauen mit denen er bislang verkehrte, hatte er bedingungslos unterworfen und ihnen keine gleichberechtigte Rolle in der Partnerschaft zugeteilt. Er schlief mit ihnen, er führte auch so etwas wie eine Beziehung mit ihnen, doch er liebte sie nicht. Liebe, so fand er, war eine der schlimmsten Möglichkeiten sich abhängig zu machen. „Wer liebt wird verletzt“, sagte er leise und lächelte wehmütig. „Ob Amanda verliebt ist“? fragte er sich und schüttelte dann unwirsch den Kopf. „Was interessiert mich das Liebesleben einer Schulgöre“, brummelte er und bemerkte, dass der Kellner ihn irritiert ansah. Marc schenkte ihm ein strahlendes Lächeln und der schwarz gekleidete Mann nickte ihm ergeben zu. Amanda war die erste Studentin, die ihm heftig Paroli gegeben hatte und die sich von seinen Vorträgen nicht hatte beeindrucken lassen. Damit hatte sie ihn beeindruckt, vermutlich ohne es zu wollen.

Zeitweise langweilte ihn das ergebene Nicken seiner Studenten, wie sie ihre Stunden im Hörsaal absaßen und alles schluckten, was ihnen ein Professor vorwarf. Keine Nachfragen, keine Lust einen Fehler des Lehrers aufzudecken und gerade aktiv genug, um irgendwie das Studium zu beenden. Marc liebte seinen Beruf, was aber weniger daran lag, dass er anderen gerne etwas beibrachte, sondern weil er sich gerne reden hörte und zufrieden war, wenn alle zuhörten und niemand ihm widersprach. „Kann ich zahlen“, rief er dem Ober leise zu und beglich seine Rechnung. Ein fürstliches Trinkgeld gehörte für ihn dazu und sorgte dafür, dass der Kellner ihm heftig suggerierte, dass er bald wiederkommen möge.

Drei Tage später fuhr Amanda gerade auf den Universitätsparkplatz, als ein schnittiger Sportwagen neben ihr hielt und niemand geringeres ausstieg, als Professor Dr. Marc Mensiak. „Der schon wieder“, dachte sie genervt und grüßte ihn mit einem knappen Kopfnicken, nur um dann eilenden Schrittes an ihm vorbei in den Hörsaal zu laufen. „Schon wieder eine Vorlesung bei Professor Großkotz“, murmelte sie ihrer Freundin zu, die sie lachend begrüßte.

„Ich sehe schon, Mensiak und Du werdet noch gute Freunde“, spottete sie und schwieg dann, denn Marc hatte den Raum betreten. „Guten Morgen“, begrüßte er die Studenten und sein Gruß wurde durch einen eintönigen Singsang erwidert. „Heute wollen wir ein paar psychologische Kniffe analysieren, mit denen ein Produkt beim Verbraucher automatisch vertrauenswürdiger erscheint“, eröffnete er seinen Vortrag und Amanda verdrehte genervt die Augen. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und rutschte so tief wie möglich nach unten in ihrem Stuhl. Marc Mensiak brachte Beispiele aus der Werbung und erklärte die Tricks, die hinter vermeintlich simplen Slogans steckten. Ein paar mal verspürte Amanda den Impuls aufzuspringen und zu protestieren, doch sie vermied es und hörte scheinbar gelangweilt zu.

„Sie alle kennen sicher Werbespots mit dem Zusatz, dass über 90 Prozent aller Frauen, dieses Produkt ihren Freundinnen empfehlen würden“, erklärte Marc und sah zu Amanda hinüber. „Auf diese Weise bekommt das Produkt einen Vertrauensvorschuss, denn seinen Freundinnen empfiehlt man natürlich nur, was auch wirklich gut ist“. Amanda sprang von ihrem Stuhl und widersprach: „Sie vergessen nur eins Herr Professor, die Zahlen sind vollkommen gelogen und damit wird der gutgläubige Verbraucher erneut manipuliert“. Er sah zu ihr hinüber und lächelte. Insgeheim hatte er auf ihren Protest gewartet, er war sich sicher, dass dieses Thema ihr Gemüt erhitzen würde.

„Richtig Fräulein Amanda, doch darum geht es beim Marketing nicht. Es ist egal ob die Aussage stimmt oder nicht, sie weckt ein positives Gefühl beim Käufer und folglich steigen die Verkaufszahlen“. „Ätzend“, knurrte Amanda und sank zurück auf ihren Stuhl. „Erinnern sie sich an unseren gemeinsamen Abend beim Italiener“, fragte Mensiak spöttisch und sah die junge Frau an, deren Gesichtsfarbe augenblicklich der eines Krebses ähnelte. „Sie haben mich zum Wein eingeladen und ich bin sicher, sie hätten das nicht getan, wenn sie kein Vertrauen in dieses Produkt gehabt hätten, richtig?“. Die Köpfe ihrer Kommilitonen hatten sich zu Amanda umgewandt und ein ungläubiges Murmeln war zu hören. Sie wandte sich hilfesuchend zu Katja um, doch auch ihr schienen die Worte im Hals stecken zu bleiben. „Du warst es doch, die ihn eingeladen hat“, zischte Amanda, doch die Freundin reagierte nicht.

„Herr Professor Mensiak, ich hätte sie auch zu einem Glas Spülwasser eingeladen, denn nur bei meinen Freunden ist es mir wichtig, dass eine Empfehlung von mir auch wirklich gut ist“, sagte sie mit fester Stimme und sah ihn auffordernd an. Gelächter drang durch den Hörsaal und die Spannung löste sich langsam von Amanda. Sie hatte es geschafft, seine Provokation zu umschiffen und ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen. Katja kniff ihr grinsend ins Knie und wartete gespannt darauf, wie Marc nun reagieren würde. “ 1 zu 0 für Sie“, sagte der lachend und wandte sich ohne Umschweife wieder dem Thema zu. Äußerlich wirkte Dr. Mensiak ruhig und gelassen, doch in seinem inneren brodelte es. Er hatte sie provoziert und sie hatte genauso reagiert, wie er es erwartet hatte. „Kleine Kratzbürste“, dachte er mit einem Anflug von Zärtlichkeit, die er sich augenblicklich verbot.

Amanda war seine Schülerin und es war ihm klar, dass jegliche intime Kontaktaufnahme untersagt war. „Sie ist aber nur noch zweimal Deine Schülerin“, dachte er flüchtig, verwarf diesen Gedanken jedoch schnell wieder. Der Rest des Unterrichts verlief ohne weitere Zwischenrufe und als Mensiak die Uni verließ, dachte kaum mehr jemand an den Zwischenfall außer Amanda.

»Amanda war seine Schülerin und es war ihm klar, dass jegliche intime Kontaktaufnahme untersagt war.«

„Der Typ ist doch total bekloppt, stellt mich hin, als würde ich ihn zum Italiener einladen“, fluchte sie, während sie neben Katja zum Auto lief. Die Freundin schmunzelte und stieß Amanda in die Seite. „Vielleicht gefällst Du ihm“, frotzelte sie und ihr entging nicht, dass dieser Satz ihre Freundin nicht kalt ließ. „So ein Quatsch“, zischte diese jedoch schnell und drückte energisch auf die Fernbedienung ihres Wagens. Mensiak`s Sportwagen stand nicht mehr da, registrierte sie und verfluchte sich augenblicklich dafür, dass sie überhaupt darauf geachtet hatte. „Soll ich Dich nach Hause fahren oder gehst Du mit ins Fitness-Studio“, wandte sie sich an Katja, die gerade die Tür zum Beifahrersitz öffnete. „Ich komme mit, ein wenig Sport tut meiner Figur gut“, seufzte sie und schlug sich gespielt auf den nicht vorhandenen Bauch. Amanda lachte und schüttelte den Kopf.

„Katja war nicht ganz so schlank wie sie, doch trotzdem schmaler als die meisten ihrer Kommilitoninnen. Amanda als Vorbild zu nehmen wäre falsch gewesen, denn ihre Hosengröße 34 wurde von vielen Ärzten als Untergewicht bezeichnet. Dabei war sie keineswegs auf ihre Figur bedacht, sie aß was ihr schmeckte und davon meistens riesige Mengen. Sie hatte die schlanke Statur von ihrer Mutter geerbt und war zufrieden.

Im Fitness-Studio angekommen zog sie sich um und ging direkt aufs Laufband, sie musste sich abreagieren, zu sehr saß ihr der Morgen im Hörsaal noch in den Knochen. Sie stellte das Band auf schnellste Stufe und lief sich frei, der Schweiß rann in Strömen über ihren Körper und sie sah und hörte nichts mehr. Nach einer halben Stunde tauchte Katja bei ihr auf und sah sie nachdenklich an. „Du rennst, als wäre Mensiak persönlich hinter Dir her“, stichelte sie und Amanda streckte ihr wütend die Zunge raus. „Vor dem würde ich nicht wegrennen“, schimpfte sie, „den würde ich nicht beachten“. Sie drosselte ihr Tempo und kam zum stehen. „Trinken wir noch einen Saft“, fragte sie und ihre Freundin nickte. Eine Stunde später hatte sie Katja zu Hause abgesetzt und lief rastlos in ihrer Wohnung umher. Sie war zornig auf sich, auf die Welt und vor allem auf Marc Mensiak.

Der restliche Tag verging wie im Flug und als sie Abends in ihrem Bett lag, hatte sie die Ereignisse zwar nicht vergessen, sich aber damit beruhigt, dass sie mehr als gut reagiert hatte. Sie zog die Decke bis zur Nasenspitze nach oben und war bald eingeschlafen. Keuchend erwachte sie drei Stunden später und setzte sich erschrocken im Bett auf. „Was soll das, das kann doch nicht sein“, murmelte sie schlaftrunken, doch ihr Körper sprach eine andere Sprache. Sie versuchte ihren Traum zu rekonstruieren, doch es gelang ihr nur bruchstückhaft. Sie sah ihre Hände, die auf dem Rücken eines Mannes lagen und dessen Haut berührten. Sie sah ihren Körper, der von Männerhänden gestreichelt wurde und sich nicht dagegen wehrte.

Sie sah Lippen, die über ihre glitten, zu ihrem Hals wanderten und dort zärtlich ins weiche Fleisch bissen. Sie sah wieder ihre eigenen Hände, die den Gürtel einer engen Jeans öffneten und dann über den braun gebrannten Oberkörper eines Mannes streichelten. Sie sah ihre Lippen, die über männliche Brustwarzen glitten, weiter nach oben wanderten und männliche Lippen küssten. Doch es waren nicht irgendwelche Lippen, es waren die Lippen von Dr. Marc Mensiak. „Das kann nicht wahr sein“, murmelte Amanda wieder und saß noch immer erschrocken auf der Bettkante. Der Traum war schon verwirrend genug, doch die eindeutige Erregung, die ihr Körper auch jetzt im Wachzustand fühlte, ließ die junge Studentin an ihrem Verstand zweifeln. Sie sprang auf und lief ins Badezimmer, um sich kaltes Wasser über das Gesicht laufen zu lassen. Sie betrachtete ihr gerötetes Gesicht im Spiegel und streckte sich selbst die Zunge heraus.

„Nur Perverse träumen vom Sex mit ihrem Lehrer, besonders wenn es dabei um so ein arrogantes Exemplar geht“, sagte sie laut und stampfte zurück ins Schlafzimmer. Sie schaltete den Fernseher an und beschloss das Erlebnis einfach zu vergessen. Einzuschlafen wagte sie nicht, ihre Angst vor einem weiteren Traum war zu groß.

Als am Morgen ihr Wecker klingelte, lag sie noch immer wach im Bett und starrte auf den Fernseher, ohne das Programm wirklich wahrzunehmen. Sie schaltete das piepsende Geräusch aus und sah auf ihren Stundenplan. Erstarrt registrierte sie, dass heute die beiden letzten Vorträge von Marc Mensiak stattfinden würden. „Da gehe ich nicht hin“, murmelte sie entschlossen und griff nach ihrem Handy. „Ich bin krank, komme heute nicht zur Uni, hab Dich lieb“, tippte sie und schickte die halbherzige Nachricht an ihre Freundin Katja. Das kurz darauf folgende Klingeln des Telefons ignorierte sie und legte sich wieder ins Bett. Jetzt, wo das Tageslicht durchs Fenster fiel, hatte sie keine Angst mehr vor ihren Träumen und war bald wieder eingeschlafen. Sie wachte erst wieder auf, als Katja unaufhörlich an der Tür klingelte und Einlass begehrte.

„Ich komme ja schon“, fluchte Amanda und stolperte in den Flur, um die Freundin hereinzulassen. „Wo warst Du denn heute morgen“, sprudelte Katja hervor, als sie die schlaftrunkende Amanda im Flur stehen sah. „Im Bett“, lautete die knappe Antwort. „Kannst Du mir einen Kaffee machen, ich ziehe mir eben was anderes an“, bat Amanda ihre Freundin und diese nickte. Eine halbe Stunde später saßen die jungen Frauen im Wohnzimmer zusammen und Katja erzählte aus der Uni.

„Übrigens, Mensiak bestellt Dir die besten Genesungswünsche und viel Glück auf Deinem weiteren Weg“, sagte sie, doch Amanda winkte ab. „Der soll sich zum Teufel scheren“, sagte sie barsch und wechselte schnell das Thema. Marc Mensiak war das letzte woran sie denken wollte, zu präsent war der Traum von letzter Nacht und zu sehr schämte sie sich dafür, dass sie jede Berührung in diesem Traum genossen hatte.

Es war 20:00 Uhr, als der Professor das kleine Restaurant betrat, in dem er Amanda mit ihrer Freundin getroffen hatte. Der Kellner begrüßte ihn hocherfreut und wies ihm den gemütlichsten Tisch im gesamten Lokal zu. Nachdem Marc seine Bestellung aufgegeben hatte, musterte er die anderen Gäste und warf immer wieder einen Blick auf die Tür. „Du alberner Narr“, schalt er sich selbst, „Dir kann es doch egal sein, ob die Göre wirklich krank war“.

Es war ihm aber nicht egal, schon am Morgen hatte er gerätselt, ob Amanda`s Fehlen ein Vorwand war, weil sie ihn nicht wiedersehen wollte. Er hatte versucht ihre Freundin auszufragen, doch diese war entweder vollkommen ahnungslos oder verschwieg ihm absichtlich die Wahrheit. Er tippte auf ersteres, denn in der Regel erkannte er Menschen die ihn belogen. Welchen Grund hätte Amanda, ein weiteres Zusammentreffen mit ihm zu vermeiden, schließlich war sie eine Studentin und er ihr Professor. „Ob ich beim letzten Mal zu weit gegangen bin“, fragte er sich, doch dann musste er unwillkürlich lächeln.

„Nein, bestimmt nicht, die kleine Kratzbürste hat genauso reagiert, wie ich es von ihr erwartet habe“, dachte er dann und wand sich seinem Weinglas zu. Er konnte nicht leugnen, dass diese junge, attraktive Studentin ihn beeindruckt hatte. Sie stach aus der Masse hervor, sie saß nicht einfach nur gelangweilt auf ihrem Stuhl und ließ die Vorlesung über sich ergehen, nein, sie hörte zu, sie bot ihm die Stirn und sie hatte keine Problem damit ihm zu widersprechen, egal welchen Titel und Rang er trug.

Heute war seine letzte Vorlesung an Amanda`s Uni gewesen und ihm war klar, dass er sie so schnell nicht wiedersehen würde. Sein Gefühl sagte ihm, dass sie an diesem Abend nicht zum Italiener kommen würde und so verließ er das Restaurant unmittelbar nachdem er gegessen hatte.

Drei Wochen später hatte Amanda die Begegnung mit Marc Mensiak schon fast wieder vergessen und sie konzentrierte sich fleißig auf ihr Studium. Sie hatte sich für ein dreitägiges Seminar beworben und eine Zusage bekommen, also packte sie an einem Montag ihre Reisetasche und verabschiedete sich traurig von ihrer Freundin Katja. „Es ist wirklich schade, dass Du nicht zu den Teilnehmerinnen gehörst, aber ich werde Dir alles ganz genau erzählen und Dich jeden Abend anrufen“, versprach sie und umarmte die Freundin herzlich. „Schon gut, schon gut“, wehrte Katja ab, „ich bin ohnehin nicht scharf darauf, mir drei Tage einen Studienrat anzuhören, der seine altmodischen Ansichten zum Thema Werbung preisgibt.

Amanda lachte und gab der Freundin einen Klaps auf die Wange, dann ging sie zur Tür. „Du achtest doch auf meine Pflanzen und leerst jeden Tag den Briefkasten, ja“, fragte sie Katja im gehen, doch diese lachte nur. „Nun hau schon ab, Du tust ja so, als würdest Du eine Weltreise unternehmen“, sagte sie kopfschüttelnd und seufzte ein wenig erleichtert, als die Freundin endlich die Wohnung verlassen hatte. Sie wäre gern mitgefahren, doch hätte sie das Amanda gegenüber erwähnt, wäre ihr das Seminar durch ihr schlechtes Gewissen verdorben. Das Taxi wartete schon vor der Haustür und Amanda scheuchte den Fahrer Richtung Bahnhof.

„Beeilen Sie sich bitte, ich muss meinen Zug bekommen“, trieb sie ihn an, obwohl ausreichend Zeit vorhanden war. Der ältere Herr am Steuer musterte seinen Fahrgast und lächelte dann. Er mochte junge Frauen die wissen was wie wollen, also beschleunigte er und sorgte dafür, dass Amanda am Bahnhof noch eine halbe Stunde Zeit übrig hatte.

An diesem Abend geschah nicht mehr viel. Die eingeladenen Studenten und Studentinnen richteten die gebuchten Hotelzimmer ein und zogen los, um die Stadt unsicher zu machen. Amanda schloss sich ihren Kommilitonen nicht an, sie verzog sich früh auf ihr Zimmer und warf noch einen Blick in die Bücher, bevor sie schon weit vor 22:00 Uhr in den Schlaf glitt. Am nächsten Morgen war sie eine der ersten im Vortragsraum und suchte sich einen Platz weit hinten. Sie mochte es, wenn sie alles überblicken konnte und sie war gespannt, ob sie ein paar der eingeladenen Studenten kannte. Pünktlich um 8:00 Uhr betrat der Studienrat den Raum, es war ein älterer, drahtiger Mann, der, wie Amanda schmunzelnd feststellte, mal wieder einen Pullunder trug.

Er begrüßte die anwesenden Studenten freundlich und bat sich dann Ruhe aus. Alle Augenpaare lagen auf dem älteren Herrn, als sich die Tür öffnete und ein Mann eintrat. Heiß durchfuhr es Amanda als sie erkannte, dass der Mann niemand geringeres war als Marc Mensiak. „Was will der denn hier“, dachte sie erschrocken und bemerkte, wie sein Blick suchend über die Reihe der Studenten glitt und bei ihr hängen blieb. Ein Blitzen in seinen Augen verriet ihr, dass er sie entdeckt hatte. Studienrat Beifuss reichte Marc die Hand und grüßte ihn freundlich.

„Es ist mir eine Ehre, verehrte Damen und Herren“, Ihnen meinen geschätzten Kollegen Professor Dr. Marc Mensiak vorzustellen, der mir die Freude erweist und meinen Seminarbeiträgen Gehör schenkt“, erklärte der ältere Herr und Marc nickte den Studenten freundlich zu. „Ziemlich voll hier“, sagte er lachend und sein Blick wanderte erneut durch die Reihen. „Verdammt“, dachte Amanda, denn es gab nur noch drei freie Plätze im Saal und einer davon war neben ihr. „Soll ich Ihnen einen Stuhl bringen lassen“, fragte Studienrat Beifuss freundlich, doch Marc winkte ab. „Hier hinten ist noch ein Plätzchen frei, nur keine Umstände wegen mir“, gab er zur Antwort und steuerte zielstrebig den Stuhl neben Amanda an. „Darf ich“, fragte er freundlich und sie hob widerwillig ihre Tasche vom Sitz und ließ ihn Platz nehmen.

Marc Mensiak war keinesfalls zufällig zum Seminar dazu gestoßen, er hatte gewusst, dass er hier auf Amanda treffen würde. Studienrat Beifuss und er unterrichteten an der gleichen Universität und als er mit Blick auf die Teilnehmerliste des Seminars Amanda`s Namen entdeckte, entschloss er sich, noch einmal die Studentenbank zu drücken. Dass er nun direkt neben ihr saß, erfreute ihn ungemein, denn ohne es sich eingestehen zu wollen, hatte er in den letzten drei Wochen sehr oft an die dunkelhaarige Studentin mit den widerspenstigen Locken gedacht. „Locken so widerspenstig wie sie selbst“, hatte er gedacht, als sie während einem seiner Vorträge ihre Haarpracht mit einem Gummi bändigte.

Er schaute zu ihr hinüber, doch sie starrte angestrengt geradeaus und lauschte den Worten des Studienrates. „Wie kalt es sie lässt, mich wiederzusehen“, wunderte sich Marc, doch er ahnte nicht, wie sehr er sich irrte. Amanda`s Gedanken fuhren Karussell und selbstverständlich erinnerte sie sich sofort an die Sequenzen aus ihrem Traum. Gegen ihren Willen konzentrierte sie sich darauf, den Geruch seines Parfüms einzuatmen und ihn mit verstohlenen Seitenblicken zu mustern.

„Amanda, reiß Dich zusammen“, befahl sie sich selbst und wandte ihre ganze Aufmerksamkeit dem Seminar zu, was entgegen Katja`s Aussage alles andere als langweilig war. In der Pause war sie drauf und dran ihre Freundin anzurufen und ihr von Marc`s Erscheinen zu berichten, doch dann besann sie sich eines besseren und verzichtete darauf. Sie ahnte schon, dass Katja diese Begegnung nur zu gern kommentieren würde und im Moment wusste Amanda selbst nicht, wie sie darauf reagieren sollte.

Sie stand an einen Baum gelehnt und trank aus einer Wasserflasche, als sie plötzlich einen Schatten neben sich bemerkte. „Fräulein Amanda, wie schön Sie hier wiederzusehen“, sagte Marc, als er um sie herum kam und ihr die Hand hinstreckte. Einen Moment zögerte sie, doch dann ergriff sie seine Hand und begrüßte ihn förmlich. Wieder sah sie die Bilder des Traums vor Augen, sah seine Hände auf ihrem Körper und musste sich zur Ordnung rufen.

„Was verschlägt sie hierher, Herr Professor“, fragte sie freundlich, aber reserviert und vermied den Blick auf ihn.

„Ich wollte sie wiedersehen“, hörte sie Mensiak`s Stimme und hob mit klopfendem Herzen den Kopf. „Wie bitte“, fragte sie und sah das Grinsen in seinem Gesicht. „Sie stellen aber auch Fragen Fräulein Amanda“, lachte er jetzt, „was soll ich hier schon machen, ich bilde mich fort“, gab er dann zur Antwort und registrierte den kurzen Moment der Enttäuschung, der in Amanda`s Augen aufflackerte. „Ich dachte schon“, lachte sie, doch ihr Lachen klang nicht echt. „Ich denke es geht weiter“, sagte sie dann brüsk und eilte ohne weitere Worte auf das alte Backsteingebäude zu.

Marc blieb unter dem Baum stehen und sah ihr nach. „So ganz verfehle ich meine Wirkung bei ihr nicht“, dachte er und musste unwillkürlich lächeln. Als er wieder neben ihr saß, riss er ein Blatt aus seinem Block, ergriff seinen Kugelschreiber und schrieb: „Entschuldigen Sie meinen blöden Spruch von eben, Marc.“ Er schob den Zettel zu ihr hinüber und legte den Kugelschreiber dazu, damit sie antworten konnte. Sie las und schüttelte den Kopf, eine Antwort gab sie ihm nicht. Sie hätte nicht schreiben können, zu sehr zitterten ihre Hände und ihre Gedanken fuhren Achterbahn. „Er hat Marc geschrieben“, dachte sie und sah noch einmal auf den kleinen Zettel, der mitten auf dem Tisch lag. „Warum schreibt er Marc, er ist doch mein Professor“, sinnierte sie vor sich hin und bekam nichts davon mit, was Studienrat Beifuss erzählte.

Nachdem die Vorlesungen für diesen Tag beendet waren, beeilte sich Amanda aus dem Raum zu kommen, ohne Marc auch nur eines Blickes zu würdigen. Sie hatte allerdings die Rechnung ohne ihn gemacht, denn an der Tür hielt er sie auf. „Fräulein Amanda, darf ich Sie heute Abend zu einem Glas Wein einladen, ich würde gern mehr über Ihre Ansichten zum Thema Marketing erfahren“. Er sah sie entwaffnend offen an und sie wusste nicht, ob er sie veralbern wollte oder ob er es ernst meinte. „Was sage ich jetzt bloß“, überlegte sie, während sie unruhig von einem Bein aufs andere wippte.

„Ich esse heute Abend im Chez Christine, wenn Sie mir dort zufällig über den Weg laufen, werde ich Sie nicht davon abhalten, an meinem Tisch ein Glas Wein zu trinken“, gab sie betont cool zur Antwort und bemerkte nicht, dass Marc für einen Moment erfreut lächelte. „Danke für den Tipp“, sagte er, nickte ihr zu und eilte dann mit geschäftigen Schritten davon. Sie sah ihm nach, bis er um die Ecke des langen Flures verschwunden war. Er sah gut aus, trug Jeans und ein schlichtes, aber teures, weißes Hemd. Sein dunkles Haar verlieh seinem Gesicht eine südländische Note und seine grünen Augen versprachen Abenteuer. Amanda stand versonnen vor der Tür des Saales und starrte immer noch in die Richtung, in die Marc verschwunden war, als sie die Vibration ihres Handys in der Hosentasche bemerkte. Sie zog das kleine Gerät hervor und registrierte, dass es Katja war die anrief.

„Hallo Zuckerpuppe“, grüßte sie betont forsch und lauschte in den Hörer, während sie sich auf den Weg ins Hotel machte. Katja erzählte von der Uni und plauderte in einem fort, so dass sie nicht bemerkte, dass Amanda`s Gedanken ganz woanders waren. „Hallo“, tönte plötzlich Katja`s laute Stimme an ihr Ohr und sie fuhr zusammen. „Ja, was sagtest Du gerade, ich hatte eine Tonstörung“, stammelte Amanda und Katja lachte ihr glockenhelles Lachen. „Du hast sämtliche Störungen dieser Welt meine Liebe, aber eine Tonstörung gehört sicher nicht dazu“, erwiderte sie und Amanda stimmte in ihr Lachen mit ein.

„Was treibst Du heute Abend“, wollte Katja von der Freundin wissen, doch die hielt sich bedeckt. „Ich weiß nicht, vielleicht ein bisschen TV schauen, im Zimmer abhängen und mich schrecklich langweilen“, sagte sie gedehnt und versuchte sich von den Gedanken an Marc abzulenken. „Ich rufe Dich heute Abend noch einmal an“, legte Katja entschlossen fest und dann verabschiedeten sich die beiden Frauen. Geistesabwesend fuhr Amanda mit dem Fahrstuhl in den vierten Stock, wo ihr Hotelzimmer lag.

Sie warf sich auf das breite, französische Doppelbett und starrte an die Decke. „Warum habe ich ihm gesagt, wo ich hingehe“, fragte sie laut und schüttelte über sich selbst den Kopf. „Ich kann ja auch einfach hier bleiben“, dachte sie dann und grinste bei dem Gedanken daran, dass Mensiak seinen Wein allein trinken musste. Sie grübelte über seine wahren Beweggründe, warum er hier war, glaubte aber nicht daran, dass sie etwas damit zu tun hatte. „Warum sollte sich ein Professor die Reden eines Studienrats anhören“, murmelte sie halblaut bevor sie aufsprang, um die Minibar nach etwas brauchbarem zu durchstöbern.

»Sie grübelte über seine wahren Beweggründe, warum er hier war, glaubte aber nicht daran, dass sie etwas damit zu tun hatte.«

Sie griff sich eine Flasche Wasser ohne Kohlensäure, nahm noch ein paar Nüsse und setzte sich gedankenverloren in den Sessel. Das Zimmer war hübsch, aber schlicht eingerichtet, eine einfache Pension für Studenten, deren Barschaft in der Regel nicht üppig war. Amanda war es zuwider, Getränke und Nüsse aus der Minibar zu nehmen, doch noch mehr hasste sie Supermärkte, also musste der kleine Snack zum Mittagessen reichen. Als sie eine Stunde später unter der Dusche stand, musste sie unwillkürlich wieder an Marc`s Worte denken.

„Ob er mich wirklich wiedersehen wollte“, fragte sie sich selbst und verwarf den Gedanken gleich darauf wieder. „Ich benehme mich wie ein kleines Kind“, stellte sie fest, drehte das Wasser ab und tappte nackt durchs Badezimmer. Sie stellte sich vor den Spiegel und betrachtete sich. Ihr Körper war makellos, sie war sehr schlank und muskulös, hatte aber dennoch die notwendigen Rundungen, um eindeutig als Frau aufzufallen. Sie gehörte zu den wenigen Frauen ihrer Altersklasse, die ihren Körper mochten, aber nie die Notwendigkeit sahen, damit anzugeben.

Sie fühlte sich nicht schön, aber auch nicht hässlich, sondern war einfach mit sich zufrieden. Seufzend zog sie den vorgewärmten Bademantel über und warf sich erneut aufs Bett. Sie holte die Stichwortliste hervor, die sie während des Vortrags angelegt hatte und stellte entsetzt fest, dass sie kaum etwas aufgeschrieben hatte. „Verfluchter Marc“, maulte sie halblaut und legte den Kopf, mit den noch feuchten Locken, aufs Kissen.

Zur gleichen Zeit stand auch Marc Mensiak im Badezimmer seines Hotels und schickte sich an unter die Dusche zu gehen. Er dachte an Amanda und ihr enttäuschtes Flackern in den Augen, als er sich für seinen Scherz entschuldigte, der eigentlich keiner war. Zwei Wochen lang hatte er überlegt, wie er die junge Studentin, die ihn mit ihrer widerspenstigen Art faszinierte, unverfänglich wiedersehen könnte.

Ihr Name auf der Liste war Grund genug für ihn, seine Vorlesungen für den Zeitraum des Seminars abzusagen und sich ein Hotelzimmer im besten Hotel der Stadt zu nehmen. Marc liebte Luxus, doch er hasste Dekadenz. Er musste nicht jedem zeigen, dass er sich die Annehmlichkeiten des Lebens leisten konnte, ihm reichte es völlig, wenn er sie für sich genießen konnte. Er ärgerte sich ein wenig darüber, dass er Amanda nicht nach der Uhrzeit gefragt hatte, wann sie im Restaurant sein würde. Um sie keinesfalls zu verpassen, beschloss er ab sechs Uhr auf sie zu warten.

Er wusste selbst nicht, warum er die junge Studentin gerne wieder sehen wollte, er hätte an jeder Hand zehn Frauen haben können, dessen war er sich durchweg bewusst. Es war ihr widerspenstiges Verhalten, das einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hatte. Er, der bedingungslose Unterwerfung von einer Frau forderte, ließ sich tatsächlich von einer jungen Studentin faszinieren, die ihm in jeder Hinsicht die Stirn geboten hatte.
Fortsetzung folgt…

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