Beine, ansatzweise
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Beine, ansatzweise

(dak)
Es hatte zwar länger gedauert als geplant, aber ich hatte erfolgreich verhandelt und einen ausgezeichneten Abschluss erzielt. Als ich auf die Straße trat war es schon dunkel und die Geschäfte hatten bereits geschlossen. Trotzdem lehnte ich den Wagen ab, den man mir für den Weg ins Hotel anbot. Nach dem langen Tag würden mir ein paar Schritte gut tun.
Fast bereute ich den Entschluß, denn der Schnee, der noch immer reichlich vom Himmel fiel und der erst so verlockend durch das Bürofenster hereingeschaut hatte, war naß. Schon nach einigen Schritten durch den Matsch fühle ich die Feuchtigkeit in meinen Schuhen. Die wenigen Leute auf der Straße hatten die Krägen hochgesteckt. Vor mir quälte sich jemand mit seinem Rollstuhl durch den Matsch. Als ich näher kam erkannte ich, dass es eine Frau war, die sich da mit dem Rollstuhl abmühte. Sie kam kaum noch vorwärts, der elektrische Antrieb konnte die Räder nicht durch den matschigen Schnee treiben. In mir regten sich ritterliche Gefühle, ich fragte, ob ich behilflich sein könnte.
Sie drehte sich um und sah mich an. Ich schaute in das Gesicht einer Frau meines Alters. Sie zögerte, und ich wiederholte mein Angebot. Ein dankbares Lächeln breitete sich jetzt auf ihrem Gesicht aus und ich packte an. Es war nicht leicht, den Stuhl durch den nassen Schnee zu schieben, ich kam ganz schön außer Atem. „Jetzt rechts!” und „Hier hinüber!”, mehr Konversation kam auf unserem Weg nicht zustande. Vor einem Café bedeutete sie mir, dass sie nun nicht mehr weit nach Hause hätte und sie sich erkenntlich zeigen wolle:
„Darf ich sie auf einen Tee einladen?” fragte sie.
„Aber ich bitte sie, sie schulden mir doch nichts!”
„Nein das geht nicht, kommen sie mit.”
„Wenn ich mitkomme, so nur, um noch eine Weile ihre Gesellschaft zu genießen,” antwortete ich höflich.
Wir betraten das Lokal. Fast alle Tische waren leer, nur beim Fenster saß ein Pärchen und in der Ecke ein Mann, der die Zeitung las. Wir suchten uns einen Platz aus, ich stellte einen Stuhl weg und rollte sie zum Tisch. Sie hatte eine Art langen Mantel drüber, aus dem ich ihr jetzt heraushalf. Ich hatte mir keine Gedanken über den Grund ihrer Behinderung gemacht und einfach angenommen, dass die Frau gelähmt sei. Erst beim Ablegen ihres Mantels sah ich, dass sie keine Beine hatte!
Wir bestellten heißen Tee mit Zitrone, und jetzt erst kamen wir auch ins Gespräch. Ich lernte eine geistvolle Frau kennen, die vor Lebenskraft sprühte. Längst waren wir vom Tee auf Limonaden übergegangen als der Kellner uns höflich darauf aufmerksam machte, dass er schließen wolle. Wir verließen das Lokal und ich bugsierte ihren Rollstuhl doch noch die kurze Strecke hinüber in eine kleine Reihenhaussiedlung.
„Sie sind der erste Mensch, der mich nicht fragt warum ich keine Beine haben”, stellte sie ab-schließend fest.
„Ich werde es das nächste Mal nachholen.”
„Das nächste Mal?”
„Ja, das nächste Mal. Ich hoffe, ich darf sie wiedersehen?”
Sie maß mich von unten bis oben. „Wann?” fragte sie dann.
„Zum Wochenende…, am Samstag?”
„Gut!”
Für den Rest der Woche ging sie mir nicht mehr aus dem Sinn. Samstagvormittag war ich wieder bei dem kleinen Reihenhaus um sie abzuholen. Jetzt holte ich mit ihr den Stadtbummel nach, den ich neulich versäumt hatte. Kein normaler Mensch kann sich vorstellen, wie viele Stufen eine Stadt, ein Haus hat oder wie eng Fahrstühle sein können. Was bleibt für einen an sonst werbewirksam dargebotener Ware unerreichbar, wenn man in einem Rollstuhl sitzt!
Nachdem wir in einem Restaurant zu Mittag gegessen hatten, lud sie mich zu ihr nachhause ein zum Kaffee. Der Hauptbeweggrund dafür war vermutlich, dass sie auf die Toilette mußte und aus naheliegenden Gründen öffentliche Toiletten verabscheute.
„Herzlich willkommen in meinem Heim”, begrüßte sie mich als wir über der Schwelle waren. „Bevor wir uns eventuell näher kennenlernen, sollten sie wissen, wie ich lebe. Im Haus benutze ich nämlich nicht immer den Rollstuhl, und es ist nicht jedermanns Sache, zusehen zu müssen, wie sich eine Frau bewegt, die keine Beine hat. Dazu kommt noch, dass man bei einem Mann vielleicht noch hinnimmt, was bei einer Frau schon als ekelig empfunden wird.”
Sie wartete meine Antwort nicht ab, sondern ließ sich aus dem Rollstuhl gleiten und verschwand in der Toilette. Etwas hilflos stand ich nun da. Kaum, dass ich einen Gedanken fassen konnte, was sie mit ekelig gemeint haben könnte, Öffnete sich die Tür wieder und sie schwang sich, auf ihre Hände gestützt, in die Küche. Sie forderte mich auf, nachzukommen.
Die Arbeitsplatte der Küche war auf halber Höhe als sie sonst wäre, dafür war sie doppelt so breit. Dagmar – wir waren mittlerweile per du – schwang sich auf die Platte und wusch sich die Hände, dann bereitete sie den Kaffee zu.
„Wir hatten ausgemacht, dass ich heute fragen würde: wie lange also hast du schon keine Beine mehr?” hob ich an.
„Vor viereinhalb Jahren war ich im Urlaub in Vietnam,” berichtete sie, „– es muss ja immer etwas Exotisches sein – und zunächst war es wunderschön. Bei einem Dschungeltrip bin ich vom Weg ab in den Wald – na du weißt schon…, pipi halt. Am Rückweg bin ich auf eine Miene getreten. Nach fünfundzwanzig Jahren hat das Ding noch immer funktioniert. Und die Ärzte dort können noch immer damit umgehen, sie haben sauber amputiert!” Mit diesen Worten lüftete sie ihren Rock und zeigte mir ungeniert die beiden kurzen Stümpfe, die von ihren Beinen noch übrig waren. Mich durchrieselte ein seltsamer Schauer. Ich starrte zuerst auf die Stummeln, dann ging mein Blick nur Zentimeter weiter, an jene Stelle, die von ihnen eingerahmt wurde. Der weiße Stoff des Slips verhüllte das Wichtigste. Weiter wanderte mein Blick nach oben, über die beiden Brüste bis zu ihren Augen. Wie von Fäden gezogen legte ich meine Arme um sie und sie die ihren um mich. Ich hob sie hoch. Wir schauten uns tief in die Augen, während ich sie in das Wohnzimmer trug. Ehe ich sie absetzte, berührten sich zum ersten Mal unsere Lippen.
Den Kaffee servierte ich. Sie saß mir gegenüber, hatte sich bequem hingelehnt. Die Stummeln ihrer Beine lugten unter ihrem Kleid hervor und übten auf mich einen magischen Reiz aus. An den Tagen zwischen den folgenden Wochenenden musste ich immer an diese pummeligen Dinger denken. Mich verwirrte, dass mir Dagmar mit ihren Stümpfen erotischer erschien als wenn sie ihre sicher hübschen Beine noch gehabt hätte. Begierig verfolgte ich bei meinen Besuchen jede ihrer Bewegungen mit den Augen. Ob sie den Fauteuil im Wohnzimmer erklomm oder sich einfach auf ihren Armen weiterbewegte, immer rief es in mir dieses Prickeln hervor, mit jeder Stunde fand ich sie begehrenswerter.
Es waren zwei Dinge, die ich klar auseinanderhalten mußte: zum einen entstand eine Liebe zu Dagmar – eine normale, ganz natürliche Liebe zwischen Mann und Frau. Zum anderen faszinierte mich ihre Behinderung und wie sie damit umzugehen verstand. Mir gefiel ihr Hübsches Gesicht, ihre schlanke Figur mit den festen Brüsten, und mich erregten nicht zwei wohlgeformte, lange Beine, sondern zwei narbendurchzogene, nutzlose Stummel!
Wie es eben ist, wenn man verliebt ist, wir verbrachten so viel Zeit wie möglich zusammen. Dabei blieb Dagmar meine neue Leidenschaft nicht verborgen. Schnell kam sie dahinter, wie mich das Fehlen ihrer Beine erregte. Bereitwillig und unaufgefordert führte sie mir ihr ganzes Repertoire über den Umgang mit ihrer Behinderung vor. Zumindest versuchte sie nicht, etwas zu beschönigen. Ungezwungen bewegte sie sich auf ihren Händen oder sie benutzte ein Skateboard um in ihrer Wohnung fortzukommen.
An einem Samstagnachmittag kuschelten wir in der Sitzecke. Verliebt hatten wir uns abgeschmust und uns dabei gegenseitig Stück für Stück entkleidet. Dagmars Blößen bedeckten nur mehr ein Höschen und der BH, beides aus feinster weißer Spitze. Meine Hand lag auf einem ihrer Stümpfe, die sie noch leicht zusammengepresst hielt.
„Nicht hier”, hauchte sie, „komm mit nach oben!”
Sie glitt zu Boden, stellte sich auf ihre Stümpfe und unter heftig wogendem Einsatz ihrer Hüften stakste sie hin zur Treppe, die in die oberen Räume führte. Ich traute meinen Augen nicht, Dagmar konnte wahrhaftig auf ihren Stümpfen gehen! Sehr schnell wurde mir jedoch klar, warum diese Art sich fortzubewegen nicht ständige Übung war, auf den kurzen Stummeln kam sie kaum weiter.
Es gelang mir kaum mehr, meine Erregung zu verbergen. Vor der Treppe drehte sich um und stand auf ihren kurzen Dingern vor mir. Ihre Augen waren genau in der Höhe, wo meine heftige Erregung am deutlichsten zum Ausdruck kam. Dagmar lachte: „Na komm schon, ich glaube da kann es einer kaum mehr erwarten!”
Schon wollte ich sie hochnehmen, um sie hinauf zu tragen, da setzte sie ihren linken Stummel auf die erste Stufe. Abgestützt mit ihren Händen stieg sie nun Stufe für Stufe auf ihren Stümpfen hoch. Ihre Beinstummeln schienen gerade lang genug zu sein, um die Stufen zu erklimmen. Fasziniert folgten meine Augen jeder Bewegung, wie sich dieser sonst so herrliche Körper auf diesen kurzen Dingern nach oben bewegte. Darüber vergaß ich ganz, ihr zu folgen.
„Na wie ist es,” fragte sie, oben angekommen etwas atemlos, „bist du etwa enttäuscht, dass du mich nicht herauf tragen mußtest? Oder hast doch keine Lust auf eine Frau ohne Beine?”
Ich stürmte die Treppe hoch und schloß ihren Mund mit einem Kuß. Sie schlang ihre Arme um mich. Während ich mich aufrichtete nahm ich sie mit hoch und sie kniff ihre Stummeln zusammen um an meinen Hüften Halt zu finden. So trug ich sie in das Schlafzimmer.

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